Der Broyhan: Hannovers vergessener „Champagner“

Stell dir vor, es ist das Jahr 1526: Ein Braumeister namens Cord Broyhan erfindet in Hannover ein Bier, das so einschlägt, dass es die Stadt über Jahrhunderte reich macht. Der Broyhan war damals nicht einfach nur ein Getränk – er war ein Exportschlager und wurde sogar als „Nektar der Götter“ besungen.

Was machte dieses Bier so besonders? Im Gegensatz zu den dunklen, schweren Bieren des Mittelalters war er hell, fast wie ein Weißwein. Er war spritzig, erfrischen, hatte oft eine feine säuerliche Note und er war so kohlensäurehaltig, dass er beim Öffnen einer Flasche angeblich bis an die Zimmerdecke spritzen konnte – also eher der „Champagner des Nordens“ als ein klassisches Herbes.

Broyhan Bierposter der Hobbybrauer Hannover für das Bierfest 2025
Broyhan Bierposter der Hobbybrauer Hannover für das Bierfest 2025

Das Geheimnis der Rezeptur

Das Rätsel um die hannoversche Spezialität lag vor allem in seiner Reinheit und den hellen Zutaten: Im Gegensatz zu den bitteren Bieren von heute wurde er mit viel Weizen und nur mit wenig oder gar keinem Hopfen gebraut, was ihm ein mildes, süßlich-säuerliches Profil verlieh. Damit das Bier seine charakteristische helle Farbe behielt und keine rauchigen Noten annahm, wurde das Malz unter viel Aufwand ohne Rauch getrocknet. Sauberkeit war dabei das oberste Gebot – nur wer handwerklich perfekt arbeitete und ein fehlerfreies Ergebnis lieferte, durfte sein Gebräu überhaupt offiziell „Broyhan“ nennen.

Wie schmeckt er heute? Einen „echten“ Broyhan gibt es heute nicht, da das Originalrezept nur mündlich überliefert wurde. In verschiedenen historischen Quellen sind jedoch Beschreibungen zu Verfahren, Zutaten und Sensorik auffindbar, aus denen sich ein recht genaues Bild zeichnen lässt. Wenn du heute ein Bier nach diesem Vorbild probierst, erlebst du eine Überraschung: Es erinnert eher an einen Federweißen. Es ist fruchtig, hefig und extrem süffig – ein perfektes Sommergetränk, das allerdings tückisch sein kann. Zeitgenossen warnten schon damals davor, dass er „fein und wohl hineinschleicht“, einen dann aber doch ganz schön betrunken machen kann.

Kurz gesagt: Der Broyhan war das Trendgetränk der Frühen Neuzeit – hell, spritzig und ein echtes Stück hannoverscher Lebensfreude.

Nur 20 Jahre nach der Erfindung des Broyhan Bieres, im Jahr 1546, schlossen sich die hannoverschen Brauer zur Brauergilde zusammen. Ziel war es, die Qualität der hannoverschen Spezialität zu sichern und das Brauwesen zu ordnen. Aus diesem Zusammenschluss ging später die heutige Gilde Brauerei hervor – das älteste Unternehmen Hannovers.

Der Broyhan-Taler: Ein Symbol, das bleibt

Um das Braurecht zu kontrollieren und Steuern zu erheben, führte die Stadt das sogenannte Broyhan Teiken (oder Broyhan- Taler) ein. Dabei handelte es sich um eine kupferne Marke, die jeder Brauer erwerben musste, bevor er einen Kessel ansetzen durfte. Ohne diesen Taler war das Brauen illegal.

Dieses historische Erbe ist für uns heute noch sichtbar: Wenn du eine Flasche Gilde-Bier in der Hand hältst, blickst du direkt auf die Geschichte. Das Logo der Gilde Brauerei ist nämlich ein Abbild genau dieses Broyhan Talers. Es zeigt einen stolzen Hahn (als Symbol für Cord Broyhan) und erinnert daran, dass ohne dieses helle Bier von 1526 die gesamte hannoversche Brautradition vielleicht nie entstanden wäre.

Wir Hobbybrauer halten die Tradition wach

Obwohl der das historische Getränk im 19. Jahrhundert fast in Vergessenheit geriet, lebt sein Geist bei uns weiter. Wir von den Hobbybrauern Hannover e.V. sind stolz darauf, diese 500-jährige Tradition zu pflegen: Zu besonderen Anlässen und in kleinen, exklusiven Mengen brauen wir dieses Bier nach historischen Vorbildern nach, damit dieses Stück Stadtgeschichte nicht nur in den Büchern steht, sondern auch im Glas erlebbar bleibt.


FAQ

Wer hat das Broyhan Bier erfunden?

Dieses Bier wurde im Jahr 1526 von dem Braumeister Cord Broyhan in Hannover erfunden. Mit diesem hellen, obergärigen Gebräu revolutionierte er die regionale Braukunst und begründete einen jahrhundertelangen wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt.

Wie schmeckt das Broyhan?

Er schmeckt untypisch für heutige Biere: Er ist eher spritzig, hell und besitzt ein fruchtiges, weinsäuerliches Aroma. Da er mit viel Weizenmalz und kaum Hopfen gebraut wird, fehlt ihm die typische Bittere; stattdessen erinnert er eher an einen frischen Cidre oder eine klassische Berliner Weiße.

Kann man den Broyhan heute noch kaufen?

Im regulären Handel oder Supermarkt ist er kaum zu finden, da die industrielle Produktion im 19. Jahrhundert endete. Doch wir von den Hobbybrauern Hannover e.V. halten die Tradition lebendig: Wir brauen das historische Bier Hannovers regelmäßig in kleinen Mengen, um dieses Stück Stadtgeschichte für Interessierte wieder erlebbar zu machen.

Was unterscheidet den Broyhan von modernem Pils?

Der Hauptunterschied liegt in der Hefe und der Bittere: Während ein Pils untergärig gebraut wird und eine ausgeprägte Hopfenbittere besitzt, ist er ein obergäriges, helles Weizenbier mit fast gar keinem Hopfenanteil. In seinem Geschmacksprofil ist er eher säuerlich-frisch und extrem spritzig, was ihn deutlich näher an eine klassische Berliner Weiße oder einen trockenen Cidre rückt als an ein herbes Pilsener. Auch die helle Farbe, die damals durch aufwendig luftgetrocknetes Malz erzielt wurde, unterschied ihn stark von den damals üblichen dunklen Bieren.